Emms, Attacking with 1.e4

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Everyman
Artikel-Nr.:
20614

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Besprechung von GM Stefan Kindermann:

Mit etwas Skepsis nahm ich dieses Werk in die Hand: Wie soll es in unserem theorielastigen Zeitalter möglich sein, ein seriöses Weißrepertoire mit 1.e4 auf 160 Seiten unterzubringen
Doch John Emms wird seinem Ruf als kompetenter Schachautor wiederum gerecht. (Besonders haben mir von seinen anderen Werken "Easy Guide to the Ruy Lopez" und "Play the Open Games as Black" gefallen, relativ weniger begeistert war ich lediglich von seinem "The French Tarrasch")
Geschickt hat er eine Reihe von positionell gesunden Systemen für den Weißspieler gewählt, die auch vom stilistischen Standpunkt durchaus miteinander harmonieren. Grundsätzlich werden scharfe theoretische Hauptabspiele vermieden und etwas verhaltenere Aufstellungen empfohlen, die jedoch zumeist auch einiges Gift enthalten.
Besonders gefallen mir seine Empfehlungen gegen Französisch (meines Erachtens eine der besten Abhandlungen über den Königsindischen Angriff überhaupt!), gegen Pirc (der sogenannte 150-Angriff mit 4.Le3)-so spiele ich selbst mit guten Resultaten und gegen Caro-Kann (der Pseudo-Panov mit 2.c4, Weiß erreicht Panovstellungen, vermeidet jedoch einige unangenehme Abspiele) -das werde ich testen! Auch seine Ideen gegen Skandinavisch mit 2...Sf6 und gegen die Aljechinverteidigung sind sehr beachtlich.
Etwas weniger überzeugt bin ich von der Durchschlagskraft des von ihm propagierten geschlossenen Sizilianers mit 6.Le3 und des Läuferspiels gegen 1...e5 (im Läuferspiel empfiehlt Emms nach 1...e5 2.Lc4 Sf6 3.d3 Sc6 4.Sc3, während ich dem "ruhigen Italiener" mit 4.Sf3 den Vorzug geben würde.) Allerdings ist es bei solchen Repertoirebüchern auch keineswegs notwendig, "sklavisch" alle Empfehlungen zu übernehmen, findet der Leser auch nur zwei oder drei gute Anregungen, haben sich Kauf und das Studium sicherlich gelohnt!
In jedem Fall handelt es sich jedoch immer um gut spielbare Systeme, die von Emms sorgfältig bearbeitet sind. Dem Leser wird wirklich der aktuelle theoretische Stand präsentiert und Emms weist auf viele typische Tricks und grundsätzliche Motive hin. Vielleicht sind die allgemeinen Erläuterungen für meinen Geschmack etwas knapp gehalten, doch mehr ist bei begrenztem Raum nicht möglich! Am Ende jedes Kapitels werden nochmals einige wichtige grundsätzliche Punkte zusammengefasst.
FAZIT: Für 1.e4-Spieler mit leidlichen Englischkenntnissen, die gut spielbare Systeme ohne großen Theoriewust suchen, wirklich empfehlenswert!

Weiterführende Links zu "Emms, Attacking with 1.e4"

Ein sehr überzeugendes Eröffnungsrepertoirebuch geschrieben von einem GM für Amateure ohne dabei auf 'Schwindelvarianten' zuverfallen.
Einerseits dürfte es sich gut für 'blutige Anfänger' eignen die den Vorsatz haben sich erfolgreich(er) in der Turnierszene zu tummeln ohne in stumpfer (und meiner Ansich auch sinnloser) endloser Auswendiglernerei zu versinken.
Andererseits ist trotz aller Kürzer ein ernsthaftes Eröffnungswerk entstanden das einem mittelmäßigen Amateurspieler wie mir (um die 2000 DWZ)einiges an Eindrücken vermittelt hat.
Ausser der Empfehlung gegen Französisch (Königsindischer-Angriff) werde ich alles (so ich es nicht eh schon spiele wie den 150-Angriff gegen Pirc oder die Abtauschvariante gegen Alekhine) ausprobieren.

Vertrauenswerweckend finde ich ,dass der Author nicht davor zurückschreckt seine Varianten mit dem Computer zu überprüfen ,und die Erfolgsquoten der jeweils vorgeschlagenen Züge anhand einer Datenbank angibt.

Stephan Grochtmann - 2004-03-16 20:36:54

Immer auf der Suche nach guten Eröffnungsvarianten bin ich über „Attacking with 1. e4“ gestolpert. Da ich nach intensiverer Prüfung häufig von Repertoirebüchern enttäuscht war und eigentlich gar nicht 1. e4 spiele, habe ich das Buch zunächst nur überflogen und wieder beiseite gelegt. Ein Fehler! Das Buch ist Klasse! EMMS bietet ein aktives und positionell begründetes Repertoire an, ohne in anrüchige Angriffs- bzw. Gambitvarianten zu verfallen. Alle Systeme finden sich auch in der Großmeisterpraxis wider und man benötigt eher ein Verständnis für die entstehenden Positionen als exakte Variantenkenntnisse. Die Empfehlungen sind auch im Gesamtzusammenhang schlüssig und deren gute Erfolgsaussichten zum Teil auch durch statistische Auswertungen belegt. EMMS empfiehlt unter anderem das Läuferspiel gegen 1. …e5, den Geschlossenen Sizilianer, den Königsindischen Angriff gegen Französisch und die Abtauschvariante gegen Aljechin.
Meines Erachtens passt nur das „Caro-Kan-System“ mit 2. c4 (Ziel: „Panow-Stellungen“ unter Vermeidung verschiedener schwarzer Aufstellungen) irgendwie nicht so richtig in die Systematik. Es mag ja sein, dass dies eine „clevere“ Zugfolge ist, aber sie ist durchaus etwas variantenlastig und passt von den resultierenden Mittelspielstrukturen nicht wirklich zu den anderen Aufbauten. Zudem macht es sich EMMS bei den Übergängen zu geschlossenen Eröffnungen mittels 2. … e5 etwas einfach. O.K., Altindisch ist nicht wirklich Furcht einflößend, aber nicht jeder e4-Spieler möchte eine typische geschlossene Struktur auf dem Brett haben. Schwieriger wird es noch, wenn Schwarz einen königsindischen Aufbau wählt. Hier gibt es vielfältige Motive für beide Seiten, die schon einiger praktischer Erfahrung bedürfen. Wie gesagt, EMMS gibt auch hier solide Empfehlungen, aber die resultierenden Stellungen sind für e4-Spieler eher untypisch und nicht immer einfach zu behandeln.
Dieses, meiner Meinung nach, kleines Manko macht der Rest des Buches aber völlig wett. Fazit: Klare Kaufempfehlung für Spieler, die auf der Suche nach neuen Varianten sind – 4 Sterne.

Thomas Weiss - 2003-06-12 11:10:43
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