Watson, Geheimnisse der modernen Schachstrategie

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Gambit
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Gambit 2002, 288 Seiten, kartoniert
Es ist jetzt über fünfundsiebzig Jahre her, seit Nimzowitsch sein gewaltiges Werk Mein System geschrieben hat. Während es ein grundlegendes Werk über Schachstrategie bleibt, hat sich die Art und Weise, wie Schachpositionen behandelt werden, seit Nimzowitschs Zeit stark verändert - es sind sowohl bestehende Ideen verfeinert, als auch völlig neue Konzepte entwickelt worden. Dieses Buch erfüllt die Notwendigkeit einer gründlichen, tiefgehenden Arbeit über die moderne Handhabung von Schachpositionen und zeigt wie Nimzowitschs Theorien - noch umstritten und bahnbrechend zu der Zeit als Mein System geschrieben wurde - verfeinert worden sind und neben den klassischen Konzepten genutzt wurden.
Der erste Abschnitt des Buches erörtert, wie das Verständnis klassischer Themen, wie Bauernmehrheiten, das Zentrum und strukturelle Schwachstellen, verbessert worden ist. In der Folge erörtert Watson neue Konzepte, einschließlich der Bereitschaft der modernen Spieler rückständige Bauern im Ausgleich für dynamisches Spiel hinzunehmen, die Idee eines guten "schlechten" Läufers, Springer, die nützliche Aufgaben am Rand finden, und Ideen für Qualitätsopfer, die unter den russischen Weltmeistern der Nachkriegszeit weit verbreitet waren.
Dieses tiefgründige, aber dennoch außerordentlich praktische Werk wird abgerundet mit Abschnitten über prophylaktisches Denken, Dynamik, die Anwendung moderner Konzepte auf die kritischen, zeitgenössischen Eröffnungssysteme und einigen Gedanken über die Zukunft des Schachs.
Internationaler Meister John Watson ist einer der angesehensten Schachautoren in der Welt. Mit seinem bahnbrechenden, vierbändigen Werk über die englische Eröffnung und mit Play the French, das oft als die Bibel des Französisch-Spielers bezeichnet wird, hat er seinen Ruf als Autor in den achtziger Jahren fest etabliert und hat seitdem eine Reihe hochwertiger Bücher geschrieben. Zu seinen Schülern gehört der Juniorenweltmeister von 1997, Tal Shaked.

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Über die Vorzüge von Warsons Werk ist wohl hinreichend berichtet worden. All die Bewertungen waren jedoch meiner Meinung nach viel zu euphorisch. Das große Verdienst Watsons ist es zweifelsohne, dass viele, von der klassischen Schachstrategie bisher vernachlässigte, Themen angesprochen werden. Mehr leider jedoch auch nicht! Die Partieanalysen sind viel zu knapp um tiefes Verständnis für die jeweiligen Stellungen zu wecken. Auch der aufmerksame Leser wird beim Studium der Beispielpartien größtenteils alleine gelassen. Meist werden nur wenige Alternativzüge kurz angerissen. Somit ist der Lerneffekt, der mit diesem Buch erzielt werden kann stark begrenzt. Der Autor hätte sich ein Beispiel an Dworetski und Jussupow, die er ja häufig zitiert, nehmen sollen. In deren Werken wird eine ausführliche und leserfreundliche Partieanalyse praktiziert.
Es wäre sinnvoller gewesen die Themen umfassender zu behandeln und auf mehrere Bände aufzuteilen.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Watson Ausnahmen nicht klar benennt: Er weist beispielsweise (natürlich zurecht) darauf hin, dass Springer auch am Rande wichtige Aufgaben erfüllen können. Dies dürfte für die meisten Schachspieler nichts wesentlich Neues sein. Jedoch vermisse ich einen klaren Hinweis darauf, dass es sich hierbei um Sonderfälle handelt und dass ein Randspringer im Großteil aller Fälle ein ernstes Problem darstellt.
Abschließend möchte ich noch bemerken, dass es äußerst ermüdend ist, in jedem zweiten Satz das Wort 'modern' lesen zu müssen.
3 Sterne

Markus Frischholz - 2004-09-10 14:40:11

Ein hochinteressantes Buch! Im ersten Teil (´Die Verfeinerung der traditionellen Theorie´) werden Themen behandelt, die schon zu Nimzowitschs Zeiten und bereits vorher Gegenstand von Untersuchungen waren (bestimmte Bauernzentrums-Strukturen, Doppelbauer, Freibauer, d-Isolani, Minoritätsangriff etc.). Hier stellt Watson sowohl die ´klassischen´ Prinzipien als auch moderne Weiterentwicklungen vor. Im zweiten Teil (Neue Ideen und die moderne Revolution) befaßt sich Watson mit den echten seitherigen Neuentwicklungen im modernen Schach. Hier werden verschiedenste Themen behandelt (Niedergang allgemeiner Regeln, moderne Bewertung und Handhabung von Leichtfiguren, Dynamik, Qualitätsopfer etc.) und manch liebgewonnene Regel wird über Bord geworfen. Ein Beispiel gefällig? Wer kennt nicht den Grundsatz, daß im Kampf gegen das Läuferpaar die Springerpartei die Stellung geschlossen halten sollte? Demgegenüber weist Watson anhand einiger Beispiele aus der modernen Meisterpraxis nach, daß oft die einzige Chance für die Springerpartei darin besteht, den häufig durch die Erlangung des Läuferpaars verursachten Entwicklungsrückstand des Gegners durch sofortige Öffnung der Stellung auszunutzen, bevor sich die Läuferpartei konsolidieren und den Vorteil des Läuferpaars mittel- bis langfristig verwerten kann.
Also z.B. 1. c4 e5 2. Sc3 Sf6 3. Sf3 Sc6 4. g3 Lb4 5. Lg2 0-0 6. 0-0 Te8 7. d3 Lxc3 8. bxc3 e4 9. Sd4 h6 10. dxe4 Sxe4 11. Dc2 d5! (anstelle von z.B. 11... Sc5?).
Demgegenüber sollte sich in vielen Fällen die Läuferpartei vor einer vorschnellen Öffnung hüten, also 1. d4 f5 2. Lg5 g6 3. Sd2 Lg7 4. c3 Sf6 5. e3 d6 6. Sgf3 Sc6 7. Db3 h6 8. Lxf6 Lxf6 9. e4 e6! mit geringem weißem Vorteil lt. Watson, im Gegensatz zu 9... e5?.
Dies ist natürlich nur ein winziger Ausschnitt aus der gesamten Bandbreite, die dieses Werk abdeckt, derlei instruktive Beispiele gibt es außerordentlich viele in Watsons Buch!
Generell propagiert Watson eine ziemlich weitgehende Loslösung von vielen der althergebrachten Regeln und Grundsätze (und weist diese u.a. anhand statistischer Auswertungen von Datenbanken auch für das moderne Meisterschach nach), zugunsten einer konkreten, die spezifischen Eigenschaften einer Stellung berücksichtigenden Beurteilung.
Deshalb sollte man sich von diesem Buch auch nicht so sehr eine Ansammlung von Patentrezepten erwarten (wie spielt man den Stellungstyp xy) sondern vielmehr eine Fülle von Anregungen und Denkanstößen, die den eigenen Horizont erweitern und meines Erachtens auch die eigene Kreativität fördern können.
Ich persönlich (DWZ ca. 1900) habe auf jeden Fall sehr viele interessante Einblicke erhalten und ich glaube, daß Spieler ab ca. 1700 DWZ in starkem Maße von diesem Buch profitieren können. Im übrigen ist ja auch bekannt, daß verschiedene Großmeister (wie z.B. die Herren Lutz und Wahls) Watsons Buch sehr schätzen.
Nun zum einzigen Wermutstropfen dieses Buchs:
ich halte den Preis von 29,95 Euro für ein (zumal kartoniertes) Buch von ca. 300 Seiten für deutlich zu hoch und eigentlich müßte man dafür einen Stern bei der Bewertung abziehen...
Trotz dieses Kritikpunkts handelt es sich um ein herausragendes und hochgradig lehrreiches Schachbuch, ein Muß für jeden, der sich auch schon häufig über das vermeintlich ´anti-positionelle´ Schach in vielen modernen Großmeisterpartien gewundert hat, 5 Sterne.

Matthias Stohrer - 2003-06-27 10:00:47
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